Amazon betreibt über eine Million Roboter: Von Kiva bis Vulcan, wie KI-Basismodelle Lager und menschliche Arbeit verändern

Published · AI Daily — AI-assisted deep research, methodology & disclosure

Ars Technica beschreibt Amazons Flotte von mehr als einer Million Roboter. Die meisten sind fahrende Roboter auf Rädern, Roboterarme zählen einige tausend und sollen dieses Jahr mehr als doppelt so viele werden. Von Robin, Cardinal und Sparrow bis Vulcan, dem ersten Arm mit Tastsinn, nutzt Amazon Basismodelle für Hunderte Millionen Produkte. Das Unternehmen nennt sinkende Verletzungsraten und 30 Prozent mehr Wartungsstellen; eine Studie fand 40 Prozent weniger schwere, aber 77 Prozent mehr Belastungsverletzungen.

Im Oktober 2026 veröffentlichte Ars Technica einen langen Blick auf Amazons Roboter. Die Eingangsaussage ist deutlich: Keine Organisation der Welt betreibt mehr Roboter als Amazon. Über eine Million Roboter arbeiten bereits rund um die Uhr in den Lagern und ermöglichen täglich zig Millionen Lieferungen am selben oder nächsten Tag; neue Fabriken sollen leistungsfähigere bauen. Zugleich ist Amazon der zweitgrößte Arbeitgeber der Privatwirtschaft weltweit, mit über 1,5 Millionen Voll- und Teilzeitkräften laut Jahresbericht 2025. Der Artikel fragt, wie beide Zahlen zusammengehen.

Zuerst die Flotte. Sie besteht überwiegend aus fahrenden Robotern auf Rädern. Seit der Übernahme von Kiva Systems 2012 baut das in Amazon Robotics umbenannte Unternehmen die Roboter größtenteils selbst in Massachusetts, und dieses Jahr wurden Fabriken in Austin (Texas) und Greenwood (Indiana) angekündigt. Der billardtischgroße Hercules und der flügelgroße Titan fahren hohe, stoffbespannte Lagerregale zu den Arbeitsplätzen. Der neueste, Proteus, hat Sensoren, mit denen er sich freier zwischen Menschen bewegen kann. Schwärme in engen Gassen verursachen „Roboterstaus“, weshalb Amazon sie mit einer Reihe von KI-Basismodellen namens DeepFleet koordiniert, die Engpässe vorhersagen. Das System Sequoia, das Schwärme koordiniert, erkenne und lagere Artikel laut Unternehmen bis zu 75 Prozent schneller ein.

Die Roboterarme zeigen die KI am deutlichsten. Robin wurde ab 2021 getestet und 2022 in Lakeland (Florida) eingeführt; mit acht Saugnäpfen sortiert er wirre Paketstapel. In einer Arbeit von 2023 stellte Amazon fest, dass maschinelles Lernen anstelle handgefertigter Strategien die Greiferfolgsrate von 92,28 Prozent bei der besten klassischen Methode auf 93,73 Prozent hob, bei über einer Million Griffen rund 16.500 Fehlgriffe weniger. Cardinal packt Pakete bis 50 Pfund wie bei Tetris in Wagen. Sparrow hat es mit Hunderten Millionen Produkten verschiedenster Form zu tun und war, so Dresser, „der erste Ort, an dem wir wirklich Basismodelle eingesetzt haben“, ohne jeden Artikel von Hand zu codieren. Der neueste, Vulcan, verbindet als Erster Sehen mit Kraftrückmeldung und hat damit einen Tastsinn; er entnimmt und lagert in Stoffregalen. Seit 2025 läuft er in Spokane und Hamburg, 2027 soll er ausgeweitet werden. Roboterarme zählen laut Scott Dresser, Vizepräsident von Amazon Robotics, noch „einige tausend“, und Finanzchef Brian Olsavsky kündigte im Juli an, sie dieses Jahr mehr als zu verdoppeln.

Bei den Folgen für Menschen gehen die Belege auseinander. Amazon sagt, Roboter übernähmen die härtesten Aufgaben, und seit 2019 habe sich die globale Rate meldepflichtiger Vorfälle um 43 Prozent, die Rate von Vorfällen mit Ausfallzeit um 70 Prozent verbessert. Das Strategic Organizing Center, ein Bündnis von Gewerkschaften, veröffentlichte jedoch 2021 und 2022 Berichte mit höheren Verletzungsraten in Roboterlagern als in nichtrobotischen, und eine Untersuchung des HELP-Ausschusses des US-Senats von 2024 verband Roboterproduktivität mit mehr Druck und Verletzungen. Amazon entgegnet, diese Berichte stützten sich auf ältere Daten aus der Zeit vor den neuesten Robotern. Die differenzierteste Studie, im April 2025 in ILR Review erschienen, fand 40 Prozent weniger schwere Verletzungen in Roboterlagern als in herkömmlichen, aber 77 Prozent mehr leichte, mit Wiederholungsbewegungen verbundene Verletzungen. Mitautor Brian Greenwood von der George Mason University nennt als einen Mechanismus das Arbeitstempo: Die Pick-Raten seien „weit jenseits der Skala höher“, der Roboter bestimme das Tempo.

Zu den Arbeitsplätzen sagt Amazon, Roboter schüfen neue Stellen. Logistikzentren mit fortgeschrittener Robotik brauchten üblicherweise 30 Prozent mehr Beschäftigte in Zuverlässigkeit, Wartung und Technik, neue Roboterfabriken brächten je über 300 Stellen, die Zahl der Wartungstechniker für Roboter sei um über 30 Prozent gestiegen, eine „deutlich höher qualifizierte, besser bezahlte Tätigkeit“. Das Netz sei gewachsen und habe Hunderttausende Stellen geschaffen. Doch die New York Times berichtete im Oktober 2025 über interne Strategiepapiere, wonach Amazon dank Robotik in den USA bis 2027 über 160.000 und bis 2033 600.000 Einstellungen vermeiden könnte; Amazon erwiderte, die Papiere gäben die Sicht nur einer Gruppe wieder.

Unsere Einordnung: Der Artikel ist wertvoll, weil er kein einzelnes Urteil fällt, sondern Belege ausbreitet. Roboter nehmen tatsächlich die gefährlichsten Aufgaben ab und beschleunigen tatsächlich das Tempo der Menschen. Die Zahlen des Unternehmens und die Forschung zeigen in verschiedene Richtungen, weil Abgrenzung und Datenjahre verschieden sind, nicht zwingend weil jemand lügt. Viele Zahlen stammen aus Amazons eigenen Aussagen oder aus älteren Daten von 2016 bis 2019. Zu beobachten: ob Vulcan 2027 skaliert, ob die Verletzungsdaten nach mehr als verdoppelten Armen weiter sinken und ob die „Safety Bill of Rights“ der ersten Amazon-Gewerkschaft, deren Bild „Wir sind keine Roboter“ trägt, in Verhandlungen gelangt.

Sources

FAQ

Wie viele Roboter hat Amazon, und welche Arten?

Amazon betreibt in seinen Lagern mehr als eine Million Roboter. Die meisten sind weiterhin fahrende Roboter auf Rädern wie Hercules, Titan und der frei fahrende Proteus. Nach Angaben eines Vizepräsidenten von Amazon Robotics zählen Roboterarme einige tausend, und das Unternehmen erwartet, sie dieses Jahr mehr als zu verdoppeln.

Was unterscheidet Vulcan von früheren Armen?

Vulcan ist Amazons neuester Arm und der erste, der Sehen mit Kraftrückmeldesensoren verbindet und so einen Tastsinn hat. Er kann Artikel in stoffbespannten Lagerregalen präzise entnehmen und einlagern. Seit 2025 läuft er in Spokane (Washington) und Hamburg; Amazon will ihn 2027 ausweiten.

Machen Roboter die Beschäftigten bei Amazon sicherer?

Die Belege sind gemischt. Amazon sagt, seine globale Rate meldepflichtiger Vorfälle habe sich seit 2019 um 43 Prozent und die Rate von Vorfällen mit Ausfallzeit um 70 Prozent verbessert. Eine im April 2025 veröffentlichte Studie fand 40 Prozent weniger schwere Verletzungen in Roboterlagern, aber 77 Prozent mehr leichtere Belastungsverletzungen durch Wiederholungen, teils wegen des höheren Arbeitstempos.