OCP Global Summit: NVIDIA öffnet die Rack-Designs von Vera Rubin und treibt mit Google, Meta und Cisco offene Standards für KI-Fabriken voran
Auf dem Global Summit des Open Compute Project hat NVIDIA über die offene MGX-Architektur Rack- und Compute-Tray-Designs von Vera Rubin an die OCP übergeben und MGX 1.2 vorgestellt: Flüssigkühlung mit Blind-Mate-Anschlüssen, flüssiggekühlte 5.000-A-Stromschiene, Racks bis 250 kW. Mit AMD, Google, Meta und Microsoft erschienen offene Spezifikationen für Rechenzentren und Netzstabilität. Meta setzt Spectrum-6-Switches ein, mit Cisco entsteht das optische Modul USFP, und Googles Falcon-Transport kommt auf künftige ConnectX-10.
Am 12. Oktober 2026 hat NVIDIA auf dem Global Summit des Open Compute Project (OCP) in San José eine Reihe offener Beiträge und Partnerschaften rund um sogenannte KI-Fabriken angekündigt. NVIDIAs Argument: Wenn KI-Fabriken vom Megawatt- in den Gigawattbereich wachsen, braucht ihr Bau mehr als fortschrittliche Rechenchips, und offene Standards helfen der Branche, KI-Infrastruktur schneller, effizienter und verlässlicher auszubauen. Die Meldungen betreffen drei Ebenen: die KI-Fabrik selbst, das Stromnetz, das sie versorgt, und die Architektur auf Rack-Ebene im Zentrum der Rechenleistung.
Der wichtigste Punkt: NVIDIA hat zentrale Rack- und Compute-Tray-Designs von Vera Rubin über die offene Architektur NVIDIA MGX an die OCP übergeben. Systembauer erhalten damit eine gemeinsame Grundlage für Ausrüstung der nächsten KI-Fabrik-Generation. NVIDIA wirkte zusammen mit der Branche auch am MGX-Referenzdesign für Rechenzentren der dritten Generation mit und kombiniert es mit den offenen Flüssigkühlungstechniken MQD und MQDB. Ziel ist es, bewährte Entwürfe in Standards zu verwandeln, die andere übernehmen, fertigen und skalieren können. Die von NVIDIA beschriebene Spezifikation MGX 1.2 umfasst Blind-Mate-Flüssigkühlung auf Rack-Ebene, interoperable Rack-Verbindungen, eine flüssiggekühlte 5.000-A-Stromschiene, native Unterstützung für 19-Zoll-Geräte und dichtere Rack-Designs. Hinzu kommen konfigurierbare E/A-Einschübe, lüfterlose flüssiggekühlte Compute-Trays sowie standardisierte Strom- und Kühlschnittstellen, mit Rack-Einsätzen bis 250 kW. Eine eigene Spezifikation für ein Vera-CPU-Rack erweitert MGX über beschleunigtes Rechnen hinaus. Vera Rubin NVL72 bedient Training und Inferenz im großen Maßstab, das Vera-CPU-Rack zielt auf Werkzeugaufrufe, Orchestrierung und Sandbox-Ausführung, damit Agenten in Echtzeit mit Anwendungen, Daten und Diensten interagieren.
Zweiter Punkt: Software. NVIDIAs DSX-Plattform für KI-Fabriken entwirft Rechnen, Netzwerk, Strom, Kühlung, Anlagen und Software als ein System, und ihre offene Betriebsschicht DSX OS erhielt mehrere quelloffene Komponenten. Config Manager automatisiert Switch-Konfigurationen im großen Maßstab. Cluster Readiness Engine prüft GPU-Cluster vor dem Training mit Simulationen echter Lasten, um teure Job-Abstürze zu vermeiden. Rack Management Service behandelt Racks bei der Firmware-Verwaltung als gleichrangige Einheiten. Cluster API Provider for NVIDIA Infrastructure Controller verkürzt Bare-Metal-Bereitstellung und Mandanten-Onboarding von Tagen auf Stunden. NVIDIA sagt, die Komponenten stammten aus dem Betrieb von DGX Cloud; Entwickler können sie auf der GitHub-Seite DSX AI Factory ansehen und dazu beitragen.
Dritter Punkt: gemeinsam mit der Branche veröffentlichte Standards. NVIDIA veröffentlichte mit AMD, Google und Meta die Open Data Center Specification v0.7, einen einheitlichen Bauplan für die Anlagenplanung von KI-Fabriken, von der Stromarchitektur über Kühlinfrastruktur bis zum physischen Layout. Eine OCP Grid Resilience Specification von Google, Meta, Microsoft und NVIDIA legt fest, wie sich große KI-Infrastruktur bei Netzstörungen verhalten soll: am Netz bleiben, automatisch reagieren und in unter zwei Sekunden auf nahezu volle Last zurückkehren. Mit offenen Standards haben Gerätehersteller, Colocation-Anbieter und Betreiber ein gemeinsames Ziel und müssen nicht auf die proprietäre Spezifikation eines Kunden warten. Auf dem Gipfel zeigte auch Visionbay Pläne für K-1, eine Plattform um eine 800-VDC-Architektur mit Strom- und Wärmetechnik von Vertiv, als Vorbereitung auf künftige Vera-Rubin-Einsätze.
Auch das Netzwerk steht im Fokus. Meta und NVIDIA gaben bekannt, dass Meta Ethernet-Switches vom Typ NVIDIA Spectrum-6 mit 102,4 Tb/s einsetzt, um größere Vera-Rubin-KI-Fabriken auf offenem Networking zu bauen. Laut NVIDIA bietet Spectrum-6 doppelt so viel Switching-Kapazität und Bandbreite je Lane wie Spectrum-4, bei 200G je Lane und mit verlustfreiem Ethernet-Fabric für KI. Meta baute darauf den Switch N-IceCube, der in IcePack steckt, sein flüssiggekühltes 100T-Rack, und mit FBOSS läuft, Metas quelloffenem Netzwerk-Betriebssystem. Mit Spectrum-X Multiplane wird GPU-Verkehr in Hardware auf bis zu acht unabhängige Netzwerkebenen verteilt, sodass KI-Fabriken mit weniger Switch-Stufen und geringeren Kosten über 100.000 GPUs hinaus wachsen können. Fällt ein Bauteil aus, weicht der Verkehr auf die übrigen Ebenen aus, und die GPUs arbeiten mit geringerer Bandbreite weiter. NVIDIA und Cisco schlugen zudem USFP vor, eine Bauform für optische Steckmodule mit etwa dem Platzbedarf von OSFP, die 400 Gb/s je Lane ermöglicht, mit 16 Duplex-Lanes jetzt und 32 geplant, bei angegebener vierfacher Bandbreitendichte und rund 1,3-facher Energieeffizienz. Außerdem sagten NVIDIA und Google, künftige ConnectX-10-SuperNICs und BlueField-DPUs unterstützten Googles Transportprotokoll Falcon, sodass Netzwerkkarten beider Firmen über einen gemeinsamen Transport kommunizieren, während Anwendungen die üblichen RDMA-Schnittstellen behalten.
Unsere Einordnung: Der gemeinsame Nenner ist das Öffnen von Schnittstellen. NVIDIA bleibt der größte Rechenanbieter, legt aber die Spezifikationen für Racks, Strom, Kühlung, Netzwerk und Betriebssoftware in eine offene Gemeinschaft, damit die Lieferkette gegen dieselben Schnittstellen baut. Für Rechenzentrumsbetreiber heißt das, dass Beschaffung und Bau früher beginnen können; für NVIDIA, dass Vera Rubin leichter im Ökosystem ankommt. Ein Vorbehalt: Quelle ist NVIDIAs eigener Blog, und alle Leistungs- und Effizienzzahlen sind Herstellerangaben. Der echte Test ist, wie viele Hersteller diese Spezifikationen übernehmen und wann Vera-Rubin-Systeme tatsächlich ausgeliefert werden.
Sources
FAQ
Was hat NVIDIA diesmal konkret geöffnet?
NVIDIA hat Rack- und Compute-Tray-Designs von Vera Rubin über die offene MGX-Architektur an die OCP übergeben, dazu die Spezifikation MGX 1.2 und ein Vera-CPU-Rack-Design für das Agentenzeitalter. Außerdem erschienen quelloffene DSX-OS-Komponenten für Netzwerkkonfiguration, Cluster-Bereitschaft, Rack-Verwaltung und Bare-Metal-Bereitstellung.
Was bringt MGX 1.2 Neues?
NVIDIA nennt Blind-Mate-Flüssigkühlung auf Rack-Ebene, interoperable Rack-Verbindungen, eine flüssiggekühlte 5.000-A-Stromschiene, native Unterstützung für 19-Zoll-Geräte und dichtere Racks. Hinzu kommen konfigurierbare E/A-Einschübe, lüfterlose flüssiggekühlte Compute-Trays und standardisierte Strom- und Kühlschnittstellen für Racks bis 250 kW.
Was ist USFP und warum ist es wichtig?
USFP ist ein neuer Bauform-Standard für steckbare optische Module von NVIDIA und Cisco. Er braucht etwa so viel Platz wie das verbreitete OSFP mit 200 Gb/s je Lane, ebnet aber den Weg zu 400 Gb/s je Lane. Die Firmen nennen die vierfache Bandbreitendichte und rund 1,3-fache Energieeffizienz, damit sich mehr Rechenleistung ohne zusätzliche Netzwerkebenen verbinden lässt.